Medizinisch ruhig – im Kopf schon fast zu Hause
Medizinisch war der Samstag zum Glück eher unspektakulär. Bei der kurzen Visite blieb es bei dem Plan, den wir schon kannten: Wenn Lou weiterhin fieberfrei bleibt und keine stärkeren Schmerzen bekommt, dürfen wir am Sonntag nach Hause.
Seit unserer Aufnahme am Dienstag, dem 22. September, war das inzwischen schon Kliniktag Nummer 12. Und ganz ehrlich: Man hat langsam gemerkt, dass die Luft einfach raus war.
Auffällig waren weiterhin diese roten, marmorierten Muster an seinen Handinnenflächen und inzwischen auch an den Fußsohlen. Sie juckten nicht, waren nicht heiß und machten ihm sonst keine Beschwerden. Wir haben sie weiter beobachtet, aber ansonsten war daran erstmal nichts Neues.
Tagsüber hatte Lou zwischendurch leichte Kopfschmerzen, die dann aber auch wieder verschwanden. Medizinisch war also zum Glück nicht viel los.
Wenn eigentlich alles schon „durch“ ist
Das größere Problem an diesem Samstag war eher: Unser ganzes Klinikprogramm war inzwischen ziemlich aufgebraucht.
Unser Buch hatten wir fertig gelesen. Das Star-Wars-Spiel auf der Switch hatte Lou auch erstaunlich schnell durchgespielt. Damit stand für mich schon fest: Beim nächsten Mal brauchen wir definitiv mehr Bücher und mehr Beschäftigung.
Zwischendrin hat Lou natürlich auch gezockt. Besonders schön ist es für ihn immer, wenn er online mit seinem Freund spielen kann. Das ist jedes Mal eine richtig gute Abwechslung und man merkt sofort, wie glücklich ihn das macht. Für eine Weile ist dann einfach nicht die Klinik das große Thema, sondern nur das Spiel und sein Freund am anderen Ende.
Trotzdem war irgendwann einfach alles ein bisschen durch. Wir haben gespielt, sind ein paar Runden über den Flur gelaufen, Lou hat gezockt – aber im Grunde haben wir uns den Tag eher totgeschlagen und auf Sonntag gewartet.
Nach zwölf Tagen Klinik darf man, glaube ich, auch einfach mal genug haben.
Essen wurde immer wichtiger
Und dann war da noch das Thema Essen.
Das Krankenhausessen hatte Lou inzwischen wirklich satt. Und samstags gibt es mittags auch noch Eintopf – sagen wir mal so: Das hat seine Begeisterung nicht unbedingt zurückgebracht.
Also gab es erstmal wieder Yum-Yum-Nudeln. Diesmal sogar mit Gewürz.
Im Laufe des Tages fiel dann immer stärker auf, wie sehr sich bei Lou plötzlich alles ums Essen drehte. Was könnte er noch essen? Worauf hätte er Lust? Was könnten wir organisieren? Was gibt es später?
Das kann grundsätzlich gut zum Dexamethason beziehungsweise Cortison passen, das er in diesem Block bekommt. Cortison kann den Appetit deutlich steigern, und bei Lou schien sich das vor allem Richtung Abend immer mehr bemerkbar zu machen.
Also habe ich ihm später noch Burger bestellt und in die Klinik bringen lassen. Nach all den Tagen mit Krankenhausessen und insbesondere nach dem samstäglichen Eintopf war das einfach mal etwas anderes.
Hauptsache Sonntag
Je später der Tag wurde, desto klarer war eigentlich: Wir wollten einfach nur noch, dass der Sonntag kommt.
Die Hoffnung, dass Lou wirklich nach Hause darf, war inzwischen viel größer als alles andere. Das Buch war fertig, das Switch-Spiel durch, das Klinikessen endgültig uninteressant – und selbst die besten Beschäftigungen können irgendwann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass man einfach genug hat.
Am Abend haben wir dann noch Spider-Man 2 geschaut und es uns so gemütlich gemacht, wie das in einem Klinikzimmer eben geht.
Mehr Programm brauchte dieser Samstag eigentlich auch nicht mehr.
Wir wollten einfach nur noch nach Hause.
Deine Valerie

