ALL-Rezidiv: Die Tage vor Block F1

Jetzt hieß es erstmal: aufpeppeln

Nach den letzten Tagen war für Sonntag und Montag eigentlich nur eines wichtig: Schmerzen in den Griff bekommen, Kräfte sammeln und Lou so gut wie möglich auf den Start von Block F1 vorbereiten.

Denn die vergangenen Tage hatten ihm wirklich zugesetzt. Diese höllischen Kopfschmerzen, kaum aufstehen können, kaum essen, kaum irgendetwas machen.

Und irgendwann sagte Lou einen Satz, bei dem einem natürlich kurz das Herz wehtut:

„Wenn das jetzt selbst schon die erste Chemo war und die schon so schlimm war – wie wird es dann erst, wenn es richtig losgeht?“

Natürlich hatte ich ähnliche Gedanken auch schon im Kopf.

Die erste intrathekale Chemotherapie lag gerade erst hinter ihm und die Tage danach waren alles andere als einfach. Gleichzeitig wussten wir: Der eigentliche erste Therapieblock beginnt am Dienstag.

Also war unser Plan für Sonntag und Montag erstmal ganz schlicht: Lou wieder auf die Beine bekommen.

Und tatsächlich ging es bergauf

Und das hat zum Glück funktioniert.

Die Kopfschmerzen wurden deutlich besser und am Montag war Lou tatsächlich schon wieder auf den Beinen.

Nicht nur ein paar Schritte am Bett.

Er ist durch die Gänge der Station marschiert – und Mike musste schauen, dass er hinterherkommt.

Nach den Tagen davor war das wirklich schön zu sehen.

Auch ein Mittagsschlaf war wieder drin und insgesamt kam langsam wieder etwas mehr Kraft zurück.

Essen bleibt Tagesform

Mit dem Appetit ist es weiterhin wechselhaft.

Manches geht, anderes überhaupt nicht.

Das Cordon bleu aus der Klinikküche kam ziemlich gut an. Von den Spaghetti Bolognese hat er zumindest einen Teil gegessen.

Aber wenn wir ehrlich sind, schmecken ihm die Sachen von außerhalb meistens doch noch ein bisschen besser.

Sein aktuelles Lieblingseis – Mini-Kaktuseis im Becher – war übers Wochenende natürlich ausverkauft.

Sehr schlechtes Timing.

Schule gibt es auch in der Klinik

Am Montag hat Lou außerdem seine Englischlehrerin aus der Klinikschule kennengelernt.

Wenn sein Zustand es zulässt, bekommt er hier Unterricht in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch.

Dabei gibt es auch einen Austausch mit seiner eigenen Schule, damit geschaut werden kann, was gerade sinnvoll und machbar ist.

Wie viel Unterricht an den einzelnen Tagen tatsächlich möglich sein wird, hängt natürlich immer davon ab, wie es Lou gerade geht.

Aber ich finde es gut, dass Schule hier mitgedacht wird und trotzdem niemand erwartet, dass Unterricht funktioniert, wenn der Körper gerade ganz andere Dinge zu tun hat.

Währenddessen läuft das normale Leben weiter

Während in der Klinik alles darauf ausgerichtet war, Lou für den ersten Therapieblock möglichst fit zu bekommen, lief außerhalb natürlich auch unser Familienalltag weiter.

Ich war am Montag nach der Schule direkt beim Pflegedienst, um die nächsten Dinge rund um die Pflege zu besprechen und mich weiter zu informieren.

Nachmittags hatte Madame einen Zahnarzttermin.

Und danach waren wir noch zusammen unterwegs, um ein paar Sachen für den Herbst auszusuchen – einen Pulli, eine Hose, einfach ganz normale Dinge.

Gerade bei Madame merke ich im Moment immer wieder, wie sehr ich abwägen muss: Was kann ich gerade guten Gewissens abgeben – und was möchte ich bewusst selbst mit ihr machen?

Denn für sie hat sich von heute auf morgen ebenfalls unglaublich viel verändert.

Deshalb sind solche ganz normalen Momente mit Mama gerade wichtig. Nach dem Zahnarzt noch gemeinsam etwas aussuchen, zusammen unterwegs sein, ein bisschen Alltag behalten.

Auch wenn es natürlich manchmal praktischer wäre, solche Dinge ebenfalls abzugeben.

Und gleichzeitig gibt es Hilfe, die uns genau an der richtigen Stelle wirklich entlastet.

Madame ist zum Beispiel auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Die Mama des Geburtstagskindes hat direkt angeboten, das Geschenk für sie mitzubesorgern. Außerdem darf Madame direkt nach der Schule mitkommen und wird nach der Feier wieder nach Hause gebracht.

Damit ist etwas komplett organisiert, ohne dass ich noch überlegen muss: Geschenk, Abholen, Hinbringen, Zeiten koordinieren.

Und genau solche Hilfen sind gerade unglaublich wertvoll.

Und dann musste ich wieder heulen

Was mich am Montag nochmal völlig erwischt hat, war Anne.

Sie hat mich wieder auf den neuesten Stand gebracht, was bei dem GoFundMe gerade passiert.

Und ja – da musste ich erstmal wieder heulen.

Es ist wirklich unglaublich, wie viele Menschen gerade an uns denken und unsere Familie unterstützen.

Ganz lieben Dank für all eure Spenden und für alles, was gerade im Hintergrund für uns passiert.

Ich weiß manchmal wirklich gar nicht, was ich dazu sagen soll.

Eure Nachrichten lese ich trotzdem alle

Und dann sind da nach wie vor unglaublich viele liebe Nachrichten.

Ich habe einen großen Teil davon noch gar nicht beantwortet und arbeite mich wirklich Stück für Stück durch.

Meist schaffe ich vielleicht zwei kleine Nachrichten-Blöcke am Tag. Denn je nachdem, was ihr schreibt, sind manche Nachrichten natürlich auch emotional und die möchte ich nicht einfach schnell zwischen Tür und Angel beantworten.

Und wenn Lou oder Madame gerade neben mir sind, möchte ich auch nicht unbedingt in genau dieser Energie sein.

Deshalb dauert es manchmal.

Aber ich komme Stück für Stück voran.

Und ich lese wirklich alles.

Auch wenn eine Antwort im Moment deutlich länger braucht als sonst.

Zwei Tage zum Kräfte sammeln

Sonntag und Montag waren damit vor allem zwei Tage zum Erholen, Schmerzen reduzieren und Kräfte sammeln.

Und wenn man gesehen hat, wie Lou am Wochenende noch fast nur flach liegen konnte und wie er am Montag plötzlich wieder durch die Station marschiert ist, dann war das schon ein ziemlich großer Schritt.

Nach diesen beiden Tagen zum Aufpeppeln steht nun der erste richtige Therapieblock an:

Block F1.

Deine Valerie

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