Tag 15: Start von Block F2 – 13. Oktober

Endlich geht es los

Der Dienstag war Tag 1 von Block F2.

Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass es morgens recht zügig losgeht, aber die Anästhesisten waren vorher noch bei anderen Patienten beschäftigt. Also hieß es erstmal warten.

Kurz vor halb elf war es dann endlich so weit.

Lou bekam eine Lumbalpunktion, eine Knochenmarkpunktion und die intrathekale Chemotherapie.

Bis er eingeschlafen war, durfte ich noch bei ihm bleiben.

Ein Traum von Pizza

Die Anästhesistin fragte Lou vorher, welchen Traum sie ihm für die Narkose mitgeben solle.

Die Antwort war ziemlich schnell klar:

Pizza.

Darauf freute er sich nämlich schon die ganze Zeit, weil er vor dem Eingriff nüchtern bleiben musste.

Also fing Lou an aufzuzählen, was auf seine Pizza sollte.

Tomatensoße, Mozzarella, schwarze Oliven, frische Champignons und Mais.

Und während er noch überlegte, was unbedingt noch draufmuss, wurde das Sprechen langsam immer langsamer.

Mit dem Propofol war die Bestellung dann irgendwann beendet.

Ich habe mir aber natürlich gemerkt, was bis dahin auf der Liste stand.

Nüchtern unter Cortison ist schon ziemlich fies

Lou musste morgens natürlich nüchtern bleiben.

Und gerade unter Cortison ist das schon nochmal eine besondere Nummer, weil der Hunger ohnehin deutlich größer ist. Wenn der Eingriff dann erst kurz vor halb elf startet und man danach auch noch ungefähr zwei Stunden in Schräglage mit dem Kopf etwas tiefer liegen soll, zieht sich so ein Vormittag ganz schön.

Trotzdem hat Lou das wirklich gut geschafft.

Das erste Wort nach dem Aufwachen

Nach dem Eingriff kam Lou wieder zurück ins Zimmer.

Und dann war es tatsächlich ein bisschen unheimlich und gleichzeitig ziemlich lustig.

Denn das allererste Wort, das er nach dem Aufwachen gesagt hat, war ganz verschlafen:

„Piiizza …“

Zwei Stunden liegen bleiben

Nach der Punktion musste Lou noch ungefähr zwei Stunden in Schräglage mit dem Kopf etwas tiefer liegen bleiben.

Normalerweise fällt ihm genau dieses Stillliegen ziemlich schwer.

Diesmal war es aber erstaunlich ruhig.

Ich habe ihm eine Playlist mit Entspannungsmusik angemacht und dazu noch zwei meiner Super-Pflaster (für Insider: Peace und REM).

So hat er die zwei Stunden tatsächlich fast komplett vor sich hingedöst.

Danach war er richtig fit.

Keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit und vor allem:

Hunger.

Die Leukofighter-Pizza ist geboren

Nach diesem Vormittag war sie dann wirklich mehr als verdient: die Leukofighter-Pizza.

Die besteht aus Tomatensoße, Mozzarella, schwarzen Oliven, frischen Champignons und Mais.

Und genau die hat Lou dann fast komplett verdrückt.

Fast deshalb, weil ich mir noch schnell ein Stück geschnappt habe. 

Und damit ist sie jetzt natürlich offiziell geboren.

Sollte diese Pizza bei irgendeiner Pizzeria noch auf der Speisekarte fehlen oder aktuell noch unter einem falschen Namen geführt werden, kann das ab sofort gerne entsprechend geändert werden. 

Der Appetit blieb übrigens den ganzen Tag ziemlich ordentlich. Danach ging es noch munter weiter mit Zitronenkuchen von Madames Geburtstag, Fleischwurst und Géramont-Käse – also im Grunde mit allem, was gerade greifbar war.

Mathe, Hausaufgaben und Türschild

Dass Lou nach dem Eingriff so fit war, hat uns natürlich sehr gefreut.

Er hatte sogar noch Matheunterricht, machte Hausaufgaben und wir haben zusammen das Plakat für sein Namensschild an der Zimmertür gestaltet.

Parallel dazu lief natürlich der medizinische Teil von Block F2 weiter.

Für Lou war die intrathekale Chemotherapie diesmal schon direkt an Tag 1 zusammen mit der Lumbalpunktion dran.

Und insgesamt war es wirklich ein guter Start in den neuen Block:

keine Übelkeit, keine Kopfschmerzen und ordentlich Appetit.

Wechsel am Abend

Am frühen Abend kam Mike nach Heidelberg und wir haben wieder getauscht.

Ich fuhr nach Hause, holte Madame bei Oma und Opa ab und wir machten uns noch einen gemütlichen Abend zusammen.

Und als wir nach Hause kamen, wartete dort noch eine richtig schöne Überraschung auf uns: eine liebevoll gemachte Herbst-Bastelei-Deko, dazu ein total lieber Brief und ganz viel Unterstützung.

Solche Sachen sind einfach total schön und zeigen uns immer wieder, wie viele Menschen gerade an uns denken.

Die unendliche Geschichte – jetzt im Doppelpack

Abends habe ich dann auch mit Madame mit „Die unendliche Geschichte“ angefangen.

Und zwar genau mit dem gleichen Abschnitt, den ich vorher mit Lou gelesen hatte.

So sind die beiden jetzt ungefähr auf demselben Stand und wenn Lou wieder zu Hause ist, können wir es uns hoffentlich zu dritt gemütlich machen und ich lese einfach für beide gemeinsam weiter.

Ein guter Start in Block F2

Für den ersten Tag im neuen Block hätte es definitiv schlechter laufen können.

Lou hat die Punktionen gut hinter sich gebracht, war danach schnell wieder fit, konnte Mathe machen und hat fast eine komplette Leukofighter-Pizza verdrückt.

Und jetzt hoffen wir einfach, dass Block F2 genauso ruhig weitergeht.

Deine Valerie

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