Samstag, 17. und Sonntag, 18. Oktober
Endlich wieder im eigenen Bett!!!
Nach den Tagen in der Klinik war es einfach schön, Lou wieder zu Hause zu haben.
Endlich wieder im eigenen Bett schlafen. Kein Piepsen von Infusionspumpen, kein permanentes Tür auf, Tür zu und kein Infusionsständer mit Schläuchen, der überall mit hinmuss.
Jetzt heißt es erstmal wieder ein bisschen aufpäppeln und Kraft sammeln. Bis zum nächsten Therapieblock haben wir eine gute Woche Zeit. Der nächste Abschnitt wird dann deutlich länger und sich über mehrere Wochen ziehen. Wie genau die Chemotherapie dort abläuft und was an den einzelnen Tagen gemacht wird, wissen wir noch nicht im Detail. Sobald wir den genauen Plan haben, schreibe ich dazu natürlich mehr.
Das erste Wort am Morgen: Hunger
Am Samstagmorgen war ziemlich schnell klar, welches Thema uns durch den Tag begleiten würde:
Hunger.
Und davon jede Menge.
Das Problem ist nur, dass Lou gleichzeitig wieder mit Mukositis, also einer gereizten Mundschleimhaut, zu kämpfen hat.
Und das ist gerade eine wirklich blöde Kombination.
Er hat riesigen Hunger und teilweise richtig Lust auf bestimmte Sachen. Dann steht das Wunschessen vor ihm – und beim ersten Bissen stellt sich heraus, dass es im Mund brennt, weh tut oder von der Konsistenz einfach nicht geht.
Also nächster Wunsch. Nächster Versuch. Und manchmal wieder dieselbe Enttäuschung.
Arme Ritter, Mozzarella-Sticks und ganz viele Versuche
Am Samstag fing es mit Armen Rittern an.
Lou wollte sogar noch mit in der Küche helfen. Bis sie dann tatsächlich in der Pfanne landeten, war die Energie allerdings schon wieder weg und er musste sich hinlegen.
Ein Smoothie aus Joghurt, Banane und Orange ging dagegen gut. Banane pur ebenfalls.
Danach standen Mozzarella-Sticks auf der Wunschliste. Die gingen grundsätzlich auch – nur die Tomatensalsa dazu überhaupt nicht. Tomatiges scheint im Moment im Mund ziemlich unangenehm zu sein.
Dann kam Currywurst.
Auch schwierig.
Kräuter- oder Knoblauchbaguette funktionierte von der Konsistenz ebenfalls nicht.
Und irgendwann war schon fast Mittag und wir hatten gefühlt den halben Vormittag damit verbracht herauszufinden, was Hunger und Mund gleichzeitig akzeptieren.
YumYum und der Raclette-Grill als Dauerbewohner
Irgendwann kam dann die Rettung in Form eines YumYum-Fertigbechers.
Den konnte Lou tatsächlich komplett und ohne Schmerzen essen.
Danach wurde weiter ausprobiert.
Der Raclette-Grill steht inzwischen übrigens einfach dauerhaft griffbereit in der Küche. Man weiß ja nie.
Eine Kombination hat richtig gut funktioniert:
Mais mit einer Scheibe Raclette-Käse darüber.
Das konnte Lou problemlos essen und es hat ihm geschmeckt. Dazu ging sogar noch eine Weißwurst.
Damit hatten wir zumindest schon einmal eine kleine Auswahl an Dingen gefunden, die gerade funktionieren.
Auch die Tutti-Frutti-Gummibärchen haben den aktuellen Mund-Test bestanden.
Im Moment freut man sich wirklich über jedes Essen, bei dem nach dem ersten Bissen nicht direkt Schluss ist.
LEGO, Zocken, Lesen – und ganz viel Pause
Zwischendrin gab es aber auch immer wieder Phasen, in denen Lou sich aufgerappelt hat.
Er saß mit Madame am Tisch und hat LEGO gebaut, es wurde gezockt, gelesen und zusammen ferngesehen.
Gleichzeitig merkt man aber deutlich, dass der Körper gerade noch jede Menge Ruhe braucht.
Fast zwei Stunden Mittagsschlaf waren am Samstag nötig und am frühen Abend war die Energie dann ziemlich aufgebraucht.
Also wurde der Rest des Tages einfach gemütlich gemacht.
Sonntag: ähnliches Spiel
Auch am Sonntag drehte sich wieder ziemlich viel ums Essen.
Hunger war da – reichlich sogar.
Nur leider bedeutete Hunger weiterhin nicht automatisch, dass das gewünschte Essen auch funktioniert.
Also wurde wieder ausprobiert, verworfen, etwas Neues gesucht und zwischendrin auch mal gefrustet festgestellt, dass das, worauf man gerade richtig Lust hat, im Mund einfach nicht geht.
Gerade unter Cortison ist das natürlich doppelt fies: großer Appetit und gleichzeitig eine Mundschleimhaut, die bei vielen Sachen nicht mitmacht.
Lou war auch am Sonntag immer wieder erschöpft und hat viel geruht.
Trotzdem gab es zwischendrin immer wieder kleine Phasen, in denen er aufstand und etwas machen wollte.
Ein bisschen beschäftigen, kurz bei uns sitzen, etwas spielen – und dann eben wieder Pause.
So läuft es gerade.
Für Madame ging es zur Kommunionsvorbereitung
Während sich bei uns zu Hause vieles um Lou, Essen und Erholung drehte, hatte Madame am Sonntagvormittag ihren Auftakt zur Kommunionsvorbereitung.
Und sie hatte einen richtig schönen Tag mit Freunden.
Das freut mich gerade besonders, weil ihr Alltag natürlich genauso weitergeht und es schön ist, wenn sie ihre Termine, ihre Freunde und ihre eigenen Erlebnisse haben kann – auch wenn bei uns zu Hause gerade vieles anders organisiert werden muss.
Spontanes Raclette am Sonntag
Das Highlight des Sonntags kam dann ganz spontan.
Eine liebe Freundin kam zusammen mit ihrem Mann vorbei und irgendwann stand fest:
Wir machen Raclette.
Also saßen wir spontan zusammen, haben gegessen und einfach einen schönen Abend miteinander verbracht.
Nach einem Wochenende, an dem so vieles wieder davon bestimmt war, was Lou essen kann, was nicht funktioniert und wie viel Kraft gerade da ist, war das wirklich schön.
Deine Valerie

