Und schon sind wir wieder da …
Heute war es also so weit. Nach ein paar Tagen, in denen wir noch unglaublich viel organisiert haben und gleichzeitig versucht haben, die gemeinsame Zeit so schön wie möglich zu gestalten, ging es für Lou wieder in die Kinderonkologie.
Der Morgen verlief bei uns eigentlich ziemlich normal. Madame und ich sind wie gewohnt in die Schule gegangen. Diesmal haben wir die Rollen getauscht: Während ich versuche, möglichst weiterzuarbeiten, wird Mike Lou überwiegend in der Klinik begleiten.
Die beiden hatten also noch einen Vormittag zu Hause. Lou hat die Gelegenheit genutzt, um noch einmal ausgiebig zu baden – wer weiß, wann das mit dem neuen Katheter wieder so unkompliziert möglich sein wird. Die letzten Sachen wurden gepackt und als ich aus der Schule kam, ging es auch schon los nach Heidelberg.
Das Tankstellen-Desaster lässt grüßen
Unsere erste Anlaufstelle war die Ambulanz. Dort standen zunächst die Aufnahmeuntersuchungen und natürlich die Blutabnahme an.
Und ich muss sagen, zwischen einem Vierjährigen und einem Elfjährigen liegen wirklich Welten.
Den ersten Zugang hat Lou unglaublich ruhig gemeistert. Nur leider kam nicht genügend Blut für die Unmengen an Röhrchen zusammen, die benötigt wurden. Also sollte noch ein zweiter Zugang gelegt werden.
Und da wurde es dann leider doch noch ziemlich unangenehm. Es wollte einfach nicht gelingen, die Vene zu treffen. Lou hat das erstaunlich lange ganz ruhig über sich ergehen lassen, ohne Schreien und Weinen. Aber irgendwann ging es einfach nicht mehr.
Wer sich noch an unser damaliges Tankstellen-Desaster erinnert, weiß wahrscheinlich, warum mich diese Situation sofort wieder an früher erinnert hat.
Zum Glück wurde irgendwann entschieden, es für den Moment dabei zu belassen. Einige Röhrchen blieben zwar leer, aber die wichtigsten Blutwerte konnten zunächst über Kapillarblut bestimmt werden.
Und damit hatten wir diesen Teil der Aufnahme erst einmal geschafft.
Zurück auf Station
Anschließend ging es auf die Station. Und was soll ich sagen? So wahnsinnig viel hat sich dort in den vergangenen Jahren gar nicht verändert. Einige bekannte Gesichter waren auch noch da und wir haben erst einmal unser Zimmer bezogen.
Natürlich waren wir über die Jahre immer mal wieder in der Klinik, aber wieder mit gepackten Taschen auf dieser Station einzuziehen, ist dann doch noch einmal etwas anderes.
Dort wurde uns auch erklärt, was am nächsten Tag ansteht: Lou bekommt wieder einen Zentralkatheter. Und weil er dafür ohnehin in Narkose ist, sollen direkt auch die Knochenmarkspunktion und die erste intrathekale Chemotherapie – also die Medikamentengabe direkt ins Hirnwasser – gemacht werden. Wenn schon, denn schon. Möglichst alles in einem Aufwasch.
Und der ganz normale Wahnsinn nebenbei
Als dann irgendwann das allseits bekannte Krankenhausabendessen vor Lou stand, habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. Für mich ging es nämlich direkt zurück in die Schule – dort stand noch der Elternabend meiner Klasse an.
Danach habe ich Madame bei Oma und Opa abgeholt. Schon während Lous erster Erkrankung waren die beiden eine riesengroße Hilfe für uns, und auch diesmal ist es unglaublich wertvoll zu wissen, dass Madame dort gut aufgehoben ist, wenn bei uns wieder alles gleichzeitig passiert.
Irgendwann kamen wir beide dann einfach nur noch müde und erschöpft zu Hause an.
Lou und Mike blieben in der Klinik.
Und damit war der erste Tag geschafft.
Wie wir überhaupt wieder an diesem Punkt gelandet sind, wie aus ein paar Auffälligkeiten plötzlich wieder der Verdacht auf Leukämie wurde und wie schließlich feststand, dass tatsächlich wieder Leukämiezellen da sind – das erzähle ich euch in Ruhe an einem anderen Tag.
Deine Valerie


