Freitag, 23. Oktober
Die Blutwerte gehen weiter runter
Am Freitag war Lou wieder in der Tagesklinik. Diesmal begleitete ihn Mike, während ich unterwegs war und meine Schüler in ihren Praktikumsstellen besucht habe.
Bei Lou stand wieder die Blutkontrolle an – und inzwischen sieht man ziemlich deutlich, was die letzten Chemoblöcke im Blutbild hinterlassen haben.
Ein paar Werte stechen gerade besonders heraus:
Hämoglobin (Hb): 8,7 g/dl
Normalbereich: 11,5 bis 15 g/dl
Am Mittwoch lag Lou noch bei 9,2 g/dl.
Der Hb-Wert ist wichtig für den Sauerstofftransport im Körper. Wenn er deutlich absinkt, kann man sich entsprechend müde, schlapp und weniger belastbar fühlen. Genau deshalb wird dieser Wert bei Lou gerade besonders im Blick behalten.
Thrombozyten: 29 /nl
Normalbereich: 150 bis 440 /nl
Am Mittwoch waren es noch 79 /nl.
Thrombozyten sind die Blutplättchen und wichtig für die Blutgerinnung. Auch hier sieht man also sehr deutlich, wie stark die Blutbildung gerade heruntergefahren ist.
Absolute neutrophile Granulozyten: 0,0 /nl
Normalbereich: 1,8 bis 7,7 /nl
Am Mittwoch lag der Wert bereits nur bei 0,1 /nl.
Die Neutrophilen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind besonders wichtig für die Abwehr von Infektionen. Bei einem Wert von 0,0 ist deshalb natürlich weiterhin besondere Vorsicht angesagt.
Lymphozyten absolut: 0,6 /nl
Normalbereich: 1,0 bis 4,8 /nl
Auch sie gehören zur Immunabwehr und liegen bei Lou aktuell unter dem Normalbereich.
Retikulozyten: 0,1 %
Normalbereich: 0,5 bis 1,5 %
Retikulozyten sind junge rote Blutkörperchen. Vereinfacht gesagt zeigen sie, wie viel Nachschub das Knochenmark gerade produziert. Auch dieser Wert ist bei Lou im Moment sehr niedrig.
Gerade deshalb sind die engmaschigen Kontrollen so wichtig. Immer wieder wird neu geschaut, wie sich die Werte entwickeln und ob zusätzliche Maßnahmen notwendig werden.
Besonders beim Hb-Wert nähern wir uns gerade einem Bereich, in dem möglicherweise auch die erste Bluttransfusion dieser Therapie zum Thema werden könnte.
Dazu erzähle ich aber mehr, wenn es tatsächlich so weit ist.
Ein bisschen Schule ging trotzdem
Trotz Tagesklinik konnte auch am Freitag wieder ein bisschen Unterricht stattfinden.
Diesmal standen Deutsch und Mathe auf dem Programm.
Ich finde es nach wie vor richtig gut, dass das so unkompliziert funktioniert und Lou dadurch möglichst nah am Stoff seiner Klasse bleiben kann.
Eine Woche wieder zu Hause
Lou ist jetzt tatsächlich seit einer Woche wieder zu Hause.
Und auch wenn die Tage sehr unterschiedlich waren, merkt man inzwischen schon, dass wir langsam besser herausfinden, was im Alltag gerade funktioniert.
Vor allem beim Essen haben wir mittlerweile einen ganz guten Weg gefunden.
Und auch unser großes Tablettenproblem vom Montag hat sich deutlich entspannt.
Die Penicillin-Lösung heißt Tutti Frutti
An dieser Stelle erstmal ganz lieben Dank für die vielen Ideen, die uns nach unserem Penicillin-Drama erreicht haben.
Da waren richtig gute Sachen dabei: Tabletten mörsern, spezielle Schluckhilfen oder die Tablette zum Beispiel mit aufs Brot unter den Belag schmieren.
Unsere aktuelle Lösung ist allerdings ziemlich simpel:
Tutti-Frutti-Gummibärchen.
Lou kaut zuerst ein Gummibärchen vor. Kurz bevor er es runterschluckt, kommt schnell die halbe Penicillin-Tablette dazu. Danach direkt noch ein Gummibärchen gegen den ekligen Geschmack.
Und dann dasselbe Spiel mit der zweiten Hälfte.
Was soll ich sagen?
Es funktioniert.
Keine Stunde Diskussion mehr, keine Tränen und die Tabletten bleiben dort, wo sie hingehören.
Nicht jede Tablette darf einfach zerkleinert werden
Gerade weil uns so viele Tipps erreicht haben, ist mir an der Stelle aber noch etwas wichtig.
Nicht jede Tablette darf einfach geteilt, gemörsert, zerdrückt oder aufgelöst werden.
Manche Medikamente haben einen speziellen Überzug oder setzen ihren Wirkstoff verzögert frei. Bei solchen Retardpräparaten kann Zerkleinern die Wirkung verändern. Auch das Vermischen mit Lebensmitteln ist nicht automatisch bei jedem Medikament möglich.
Deshalb gilt bei uns:
Erst nachfragen, dann ausprobieren.
Wir klären mit Arzt oder Apotheke, ob genau dieses Medikament geteilt, aufgelöst oder zusammen mit bestimmten Lebensmitteln gegeben werden darf.
Bei unserem Penicillin ist das Halbieren so abgesprochen – und mit der Gummibärchen-Methode haben wir jetzt zum Glück einen Weg gefunden, mit dem Lou richtig gut zurechtkommt.
Mal wieder ein bisschen raus
Am Nachmittag war Lou dann tatsächlich so fit, dass er mitgefahren ist, als wir Madame zum Sport gebracht haben.
Allein mal wieder etwas rauszukommen und frische Luft zu bekommen, war schön – auch wenn es draußen ordentlich windig und stürmisch war.
Während Madame beim Sport war, waren Lou und ich bei Oma und Opa.
Und ich hatte mir direkt die nächste technische Herausforderung gesucht.
Mein nächstes Technikprojekt: Saugroboter
Nach der Switch dachte ich offenbar, ich wäre jetzt bereit für die nächste Liga.
Aufgabe diesmal:
Saug- und Wischroboter bei Oma und Opa einrichten.
Bei uns zu Hause war das in einer guten halben Stunde erledigt.
Also dachte ich: Easy.
War es nicht.
Android-Handy, fremdes Netzwerk und ein Roboter, der einfach beschlossen hatte, keine Verbindung herstellen zu wollen.
Nach ungefähr anderthalb Stunden musste ich erstmal kapitulieren.
Erstmal.
Denn wer mich kennt, weiß: Das Ding ist noch nicht durch.
Ich werde das definitiv nochmal versuchen.
Ein paar Meter auf der Laufbahn
Als wir Madame später beim Sport abgeholt haben, wollte Lou sogar ein paar Meter auf der Bahn mitlaufen.
Beim Gehen war alles gut.
Als daraus allerdings plötzlich Joggen werden sollte, habe ich ihn lieber etwas gebremst.
Gerade mit seinem aktuell niedrigen Hb muss es im Moment wirklich keine sportliche Höchstleistung sein.
Ein bisschen Bewegung und frische Luft waren für diesen Nachmittag völlig ausreichend.
Noch ein neues Buchprojekt
Und weil bei uns gerade sowieso ständig irgendwo vorgelesen wird, hat jetzt auch Oma ihr eigenes Buchprojekt mit Lou gestartet.
Zu Hause lesen wir aktuell „Die unendliche Geschichte“.
Bei Oma ging es jetzt mit der „Odyssee“ los.
Lesestoff dürfte uns für die nächste Zeit damit jedenfalls nicht ausgehen.
Deine Valerie

