Schulstart mit Herz

Mein Kind kann einfach nicht still sitzen!

Kennst du das? Dein Kind macht Hausaufgaben und kann einfach nicht still sitzen? 
Es zappelt und turnt auf dem Stuhl herum und  ist ständig abgelenkt?
Bei ungefähr jeder 5. Anfrage von Mamas ist dieses Problem ein Thema. Viele verzweifelte Mamas machen sich einen Kopf darüber, ob mit dem eigenen Kind alles in Ordnung ist. 

In diesem Beitrag erfährst du, warum das Gezappel „ganz normal“ ist und wie du langsam etwas mehr Ruhe bei den Hausaufgaben schaffst.

Woher kommt der Bewegungsdrang?

Kinder im Einschulungsalter sind voller Bewegungsdrang.
Sie lernen ihren Körper kennen, um später viele Dinge tun zu können. 

Unzählige Bewegungsabläufe müssen Kinder bis zum Schuleintritt und auch noch während der ersten Schulzeit lernen.
Die ganzen Fertigkeiten im Feinmotorischen und im Grobmotorischen, können Kinder nur durch wiederholtes Üben und Erproben lernen.
Ohne stetiges Üben, können sie es gar nicht erlernen.

Stell dir einfach vor, dass dein Kind rund um die Uhr dabei ist, seinen Körper kennen zu lernen. Das ist wirklich ein „Full-Time-Job“!
Da gibt es logischerweise keine Zeitfenster, wo du sagen kannst: “das darfst du jetzt nicht”!
Genauso gibt es keinen speziellen Knopf, wo du drücken kannst, weil eben genau jetzt Hausaufgabenzeit ist.

Mädchen rennt mit Luftballons

Umgang mit der Hausaufgabenzeit

Jede Mutter händelt das anders mit den Hausaufgaben. Einige Mütter benötigen 5-10 Minuten für die Betreuung der Hausaufgaben ihres Kindes. Andere benötigen wiederum eine ganze Stunde dafür, was zu einer Qual für beide werden kann. Ein klares Statement von mir dazu:  „Eine Stunde Hausaufgaben ist für einen Erstklässler definitiv zu lang!“. Ein Kind in diesem Alter kann und soll nicht eine Stunde still sitzen müssen.

Du kannst in der Schule übrigens nachfragen. Die Dauer der Hausaufgaben für die unterschiedlichen Klassenstufen wird von der Konferenz festgelegt. Dadurch hast du eine kleine Orientierungshilfe.

Aufgaben im Sitzen und im Stehen

Damit die Aufgaben nicht alle sitzend am Tisch stattfinden, kannst du selbst kreativ werden.

1 x 1 Reihen könnt ihr beispielsweise hüpfen oder euch den Ball hin und her werfen. Damit dein Kind seinen Bewegungsdrang ausleben kann, machst du zwischendurch einige Hausaufgabenteile ohne Tisch.
In bestimmten Situationen, wo dein Kind deutlich zeigt, dass der Bewegungsdrang überhand nimmt, baust du einen Orts- oder Programmwechsel ein.

Junge spielt mit dem Ball

Das Stillsitzen kann geübt werden!

Weil es absolut nicht der Natur des Kindes entspricht, muss das Stillsitzen deines Kindes tatsächlich geübt werden, wenn es in der Schule gar nicht klappen will!

Weshalb müssen wir dem Kind antrainieren stillzusitzen, auch wenn es nicht der Natur des Kindes entspricht? Das ist wirklich ziemlich traurig und wird sich hoffentlich einmal ändern. Spätestens dann, wenn sich Kinder nicht mehr dem Schulsystem, sondern das Schulsystem den Bedürfnissen der Kinder anpasst!

Was würde aber aktuell passieren, wenn dein Kind permanent über Tische und Bänke geht?

Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie es ist, wenn dein Kind als Zappelphilipp oder Störenfried abgestempelt. Es wird dann schnell stigmatisiert und landet in einer Schublade, aus der es nur schwer rauskommt.
Das wollen wir ja natürlich nicht.

So schlimm und grausam die Sache jetzt ist, man kann es wirklich etwas antrainieren, dass es zumindest eine gewisse Zeit still sitzen kann.

Damit es deinem Kind täglich leichter fällt und keine Probleme wegen seinem Bewegungsdrang bekommt, möchte ich dir einige Ratschläge für zu Hause geben.

Wenn dein Kind dann spürt, dass es hin und wieder gut still sitzen kann, erlebt es Erfolgserlebnisse und die Sache wird von Tag zu Tag entspannter. 

Das ist allerdings keine Sache, die du in einer Woche schaffen kannst. 

Daher ist es für dich ratsam, die Sache ganz langsam anzugehen und einen langen Atem zu bewahren. 

Kinderfreundlicher werden

Es wäre für einen Großteil der Kinder einfacher, wenn es nicht bestimmte Situationen im Leben gäbe, wo sie einfach still sitzen müssen , „weil MAN das so macht“. Das kennt man ja persönlich von sich selbst, was aber mit unseren eigenen Befindlichkeiten zu tun hat. 

Manchmal geht uns das alles auf die Nerven – diese Unruhe und dieses Gezappel, weil man einfach mit sich selbst nicht im Reinen ist oder die Geduld und das Verständnis nicht hat.

Wenn man sich aber die südlichen Länder anguckt, wie herzlich da die Kinder aufgenommen werden und wie viel Verständnis da für die Kinder entgegengebracht wird, kann man uns Deutsche als „sehr streng“ bezeichnen. Da merkt man, dass das spezielles ein deutsches Problem ist und unsere Gesellschaft nicht wirklich kinderfreundlich ist

Da wir in dieser Gesellschaft großgezogen wurden, mit diesen „Werten und Rahmenbedingungen“, wollen wir das an unsere Kinder weitergeben und hinterfragen es vielleicht nicht permanent. Es fällt einem aber immer wieder extrem auf, wenn man in andere Länder fährt, und da die Kinder mit einem ganz anderen Blick betrachtet werden und „Kinder, Kind sein dürfen und keine kleinen Erwachsenen“.

Aber wir gehören zu dieser Gesellschaft, wir gehören eben hier dazu und wenn, dann liegt das an uns selber, anders damit umzugehen und somit eine Veränderung langfristig zu bewirken. Damit unsere Kinder in der Zukunft nicht zu Stillsitzern heran erzogen werden müssen!

Was kannst du akut machen?

3 Tipps für Ruhe bei den Hausaufgaben

1. Den richtigen Zeitpunkt wählen!

Du hast zu Hause den Luxus, dass du nicht 45 Minuten getaktet die Sachen machen musst, sondern du kannst da wirklich auf die Bedürfnisse deines Kindes achten.

Und wenn du dir vorstellst, dass dein Kind in der Schule sitzt, beim Mittagessen sitzt ihr zusammen und bei den Hausaufgaben muss es auch wieder sitzen. So – was passt da deiner Meinung nach nicht?

Wenn du dir jetzt genauer Gedanken gemacht hast, dein Kind und eure Situation zu betrachten, wirst du merken, dass das auf Dauer so nicht funktioniert.

3 Sachen hintereinander in Folge, wo gesessen wird, das geht so nicht! Das heißt, dein Kind muss natürlich erst mal die Möglichkeit haben, seinen Bewegungsdrang auszuleben und ihn zu stillen.

Und dann könntest du erst anfangen mit diesem Hausaufgabenteil, wo es sitzt.

Das heißt, den richtigen Zeitpunkt bitte wählen.

2. Den richtigen Ort wählen!

Ich rate dir, den richtigen Ort zu wählen! Und zwar für die bestimmte Sache, die ihr bei den Hausaufgaben machen müsst.

Denn da ist es auch nicht wie in der Schule, gerade jetzt zu Corona-Zeiten, wo es nochmal doppelt, dreifach, hundertfach erschwert ist.

Denn da dürfen die Kinder ja gar nicht ihren festen Platz verlassen, damit sie nicht mit Gegenständen von anderen Kindern in Berührung kommt.

Das heißt, dieser Platzwechsel, der den Kindern im schulischen Kontext ein bisschen Bewegung ermöglicht hat, ist momentan so ziemlich gleich Null.

Gerade deshalb wünsche ich dir jetzt, gerade wo ihr jetzt zu Hause seid, dass du da nochmal ganz ganz viel Nachsicht hast.

Weil eben die schulische Situation momentan wirklich schwierig ist. Und da guckst du aber, dass nur die Sachen, die wirklich still sitzend am Tisch gemacht werden müssen, am Tisch gemacht werden.

Und für die anderen Sachen wie Auswendig lernen oder Lesen üben, dass ihr diese nicht am Tisch macht. Dass du da andere Orte suchst, was du im Gespräch mit deinem Kind machst.

Denn je mehr du dein Kind mit einbeziehst, desto leichter fällt es ihm, sich darauf einzulassen. Also deine Aufgabe ist jetzt: Überlege dir den richtigen Ort und minimiere die Zeit direkt am Tisch, wo dein Kind still sitzen muss.

3. Die richtige Form wählen!

Du solltest wissen, dass nicht alles adhoc kommen sollte, dass man die Sachen nicht aus dem Affekt heraus machen sollte, wo die Kinder einfach Nehmen, Fummeln, Machen oder Aufspringen. 

Denn wenn wir auf längere Frist gesehen, das alles zu einer größeren Ruhe bringen wollen, kannst du das Ganze in eine gewisse Form bringen. 

Und du kannst also das permanente ungefragte Aufstehen, das ewige Rumgefummel an bestimmten Sachen in eine schön geordnete Form bringen. 

Du kannst dir überlegen, ob du deinem Kind irgendetwas zur Verfügung stellst, womit es beschäftigt ist. Das kann ein Stressball, Handschmeichler oder irgendetwas anderes sein, was es gerne hat. Denn dann liegen Gegenstände auf dem Tisch, womit dein Kind spielen kann. Da sucht ihr euch was aus und du weißt, dass mit diesem Gegenstand das Spielen erlaubt ist und bringt vielleicht ein bisschen Ruhe rein. Bei größerem Bewegungsdrang kann dein Kind zwischendurch mal bis 100 auf den Stuhl steigen. 

Dabei zählt ihr zusammen – hoch und runter – und dein Kind kommt so in Bewegung. 

Und du wirst merken, dass dein Kind vielleicht schon bei 50 aufgeben will. 

Oder einfaches Stehen oder Rechenaufgaben anhand von Treppenstufen hoch – und runtersteigen zählen zu lassen wären hier auch Optionen für eure gemeinsame Zeit.

Fazit

Der Bewegungsdrang gehört auf jeden Fall – gerade in diesem Alter um 6 Jahre herum – noch dazu. Und es ist, je nachdem welches Temperament und welches Wesen dein Kind hat, stärker oder schwächer ausgeprägt.

Deshalb gebe ich dir 3 Tipps mit, weil wir aufgrund des aktuellen Systems und unserer Gesellschaft möchten, dass unsere Kinder mit 6 Jahren zu bestimmten Zeiten ruhig sitzen. Und weil es uns auch manchmal gut tut, nicht immer dieses Gehampel um uns herum zu haben.

Deshalb erleichterst du euch die Situation, in dem du den richtigen Zeitpunkt wählst. Zweite Sache ist den richtigen Ort zu wählen, was bedeutet, dass es nicht immer am Tisch stattfinden muss.

Und die dritte Sache ist, wenn dieses Rumgespiele und Rumgemache stattfinden muss, dann die richtige Form zu wählen.

Und zwar in dem du deinem Kind gezielt einen erlaubten Gegenstand gibst.

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